Erkenntnis des Tages

13. Juli 2013

 

Wenn in ihrer Lieblingskneipe die Klos renoviert werden wird es Zeit, sich eine neue zu suchen.

Warum?!
Gestern mal wieder im Luisenviertel unterwegs gewesen. Was früher ein beliebter Ort für Studenten mit wenig Geld war, die etwas Spaß haben wollten, ist mittlerweile zu einem Ort für Studenten geworden, die Geld verdienen wollen. Sie bedienen ihre Zukunft: Ewig junggebliebene Juppies Ende 40 – Pädagogen, Psychologen, Kinderärzte, Architekten und Grafiker. Und das in den Kneipen und Bars, die früher zwar keine Blumen auf dem Tisch und keinen Wein und Bionade auf der Speisekarte stehen, dafür aber noch ordentliches Bier hatten.
Der Siegeszug der Latte-Macchiato-Mütter, die bei Bio-Sofie essen, bei Frau Wunder ihre Kinderwäsche und im Lakritzkontor ihren Süßkram erstehen, schreitet unaufhaltsam voran.
Die Gentrifizierung des Luisenviertels hat ihren Höhepunkt erreicht. Neulich gab es so Kuriositäten wie einen „Französischen Gourmetmarkt“, gestern ein „Open-Air“ des Sinfonie-Orchesters – wobei letzteres ja zugegebenermaßen eigentlich auch ziemlich cool ist…
Okay… es können halt nicht alle nach Berlin… Dennoch fühle ich mich fremd, wo ich einst beheimatet war.

Nennen Sie mich ruhig eine Kulturbanausin und altenfeindlich aber in Zukunft werde ich mich wohl doch in anderen Gefilden Wuppertals rumtreiben… Das Bedürfnis nach Distinktion wohnt auch in meinem beschränkten Geist…
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Laut Statistik bei SpOn liegt die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei einem männlichen Studenten (hier heißt er Jan) um einen Single handelt bei 50%.

Wow.

 

Und bei Edeka gibts jetzt wieder Männer- und Frauenbratwurst – Dieses Foto habe ich bereits im Oktober 2012 aufgenommen um drüber zu bloggen – habs aber nicht hinbekommen… Frau Enz und Antje Schrupp waren da fleißiger…

 

Wurst

 

Wie würde Pepe dazu sagen:

Lasagne al Ross(o)

15. Februar 2013

Als ich im Radio davon hörte, dass nun auch in einer Lasagne von „real“ Spuren von Pferdefleisch gefunden wurden, dachte ich mir nur, dass ein Werbeslogan wohl nie passender war: „Einmal hin, alles drin“.

Glück für die Fleisch- und Fertigproduktindustrie, dass heute ein Meteor in die Erdatmosphäre eingetreten ist und es so viel Bildmaterial dazu gibt. Da rutscht die Berichterstattung über „Ross-Bratwurst“ und co. bei SpOn direkt ans andere Ende der Webside und statt „Schimmel – Salami“ gibts jetzt Armageddon-Panik im Fernsehn…
Trotzdem muss ich noch oft über den Pferdefleischskandal nachdenken.

Frau Aigner möchte jetzt DNA-Tests durchführen lassen um zu überprüfen, in welchen Produkten noch alles Hotte-Hü steckt. Geht das nicht ein bisschen zu weit?! Mir als Vegetarierin jedenfalls ist das zu teuer. Und in meinen Augen unnötig. Krank wird man nicht von Fury oder Black-Beauty, es sei denn, sie verpassen dem Carnivoren in lebendem Zustand einen gepflegten Tritt in den Allerwertesten – oder sonst wohin.
Bei den Preisen müssen die Hackfleischliebhaber einfach damit rechnen, dass die Lasagne nicht mit Tatar hergestellt wird, sondern mit dem ganzen Schrott, der von der Massentierhaltung übrigbleibt.
Und ich würde sogar behaupten, dass in jedem Supermarkt-Hähnchen mehr Medikamente drin stecken, als in Mr. Ed’s Muskelfleisch. Die meisten Leute wissen das. Und essen es trotzdem. Es gibt genug Berichterstattungen darüber, dass das spätere Schnitzel eben nicht auf einer grünen Weide steht und sich natürlich fortpflanzt. Das spätere Schnitzel steht auf leicht zu reinigenden Metall-Gittern und fristet sein trostloses Dasein mit Fressen, Scheißen und Dösen. Medikamente gibt es täglich über das Trinkwasser, damit die Tiere die Haltungsbedingungen überleben. Tageslicht und Frischluft gibts erst beim kurzen Moment zwischen Stall und Tiertransport zum Schlachter. Bei Hühnern noch nicht mal dann. Es geht ausschließlich um Profit. Mit allen Mitteln wird billiges Fleisch erzeugt. Jedweder Respekt vor dem fühlenden Lebewesen fehlt. Und ebenso der Respekt vor dem Verbraucher, der bei seiner Lasagne ohne Zweifel getäuscht wurde und sich gleichzeitig über die normalen Produktionsbedingungen ihrer Nahrung konsequent und gerne täuschen lässt.
Es wissen doch alle, wo ihr Fleisch herkommt.
Und trotzdem regen sich noch so viele über derartige Vorfälle auf. Sie fordern eine genaue Aufklärung des Skandals. Ich muss dann an Kant denken, der in einem anderen Zusammenhang einmal schrieb:

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“
(Immanuel Kant: Was ist Aufklärung? In: Berlinische Monatsschrift 4 (1784), S. 481-494)

 

Wer Fleisch aus Massentierhaltung kauft (und in einer Fertiglasagne wird sicher kein anderes Fleisch verarbeitet) und isst, der muss es auch verdauen. Mit allen Zusätzen. Ob nun Pony oder Medikamente.

Ich habe fertig.

 

Eine Studentin schreibt Prüfungen kurz nach Geburt

– Gratulation zur Bestnote und Respekt für diese Leistung!

Ein weiteres Highlight in der nach immer mehr Leistung strebenden Gesellschaft. Und nun wird diese (in meinen Augen völlig überzogene) Leistungsorientierung in den Medien auch noch schön glorifiziert. Bravo. Wir ahnten es ja schon. Aber jetzt wissen wir, dass eine gerade überstandene Geburt kein Grund dafür ist, nicht zur Prüfung zu erscheinen und die Karriere mal für ein Jahr hinten an zu stellen. Demnächst berichten sie dann darüber, wie eine Frau schon während der Geburt ihr Kolloquium durchzieht… Nach dem Motto:  „Die Uni konnte es kurzfristig einrichten und den Dozenten und Prüfern Ohrstöpsel besorgen…“

Aber ich sollte dankbar sein. Sorgen solche Meldungen letztlich mit dafür, dass der Leistungsdruck und die Zahl der Burn-Out Fälle steigt und  ihm und mir niemals die Patienten bzw. Klienten ausgehen…

Irgendwann kriegen wir sie schon. Die Eierlegende-Wollmilchsau.

Werbung die Dritte…

14. Juni 2012

Ohne das hier zu einem „Anti-Werbung-Blog“ verkommen lassen zu wollen muss ich trotzdem noch kurz eine Frage stellen:

Ist es nicht irgendwie merkwürdig, welche zwei Firmen uns die Fußball-EM (vor jedem Anpfiff und zu jeder Halbzeit) präsentieren?

„Zeit für Fritz“

6. Juni 2012

Wo wir schon gerade bei der Werbung sind. Heute lief ich an einem Plakat vorbei, auf dem eben diese schöne Familienszenerie zu sehen ist, die einerseits für Pommes und andererseits dafür werben soll, mehr Zeit mit seinen Kindern zu verbringen: „15 Minuten Backzeit gemeinsam nutzen!“

Was für eine tolle Idee von dem Lebensmittelkonzern! Statt den Kindern beizubringen wie man „echte“ Kartoffeln zu einer gesunden Mahlzeit verarbeitet, sollen die Eltern während der Backzeit der Pommes mit den Kindern lustige Kartoffel-Spiele spielen. Die echten Erdäpfel sind ja dann eh nur noch zum Spielen gut, weil sich der Verbraucher ja von den guten Produkten aus der Lebensmittelindustrie ernähren kann. American Lifestyle – Here We Come!

Was ich wirklich bedenklich finde: die Aktion wird auch noch von einem bekannten, gemeinnützigen Verein unterstützt. Meiner Ansicht nach geht das in die völlig falsche Richtung, auch wenn es gut gemeint ist. So eine Aktion hätten sie doch auch mit dem deutschen Bauernverband oder so starten können. Während man richtig kocht, kann man auch Zeit mit seinen Kindern verbringen und die meisten Kinder finden das sogar super und machen gerne mit (jedenfalls bei mir auf Arbeit, und das sind keine Lehrerkinder!) . Aber so bekommt ein wirklich ungesundes Produkt und eine ungesunde Ernährungsweise (die bei den Adressaten der Aktion in den meisten Fällen eh schon vorliegt) einen positiven Stempel aufgedrückt. Und das geht ja mal garnicht…PFUI!

So. Das musste mal raus.

Hygiene

3. Juni 2012

Die Werbung teilte mir neulich mit, dass ich einen Seifenspender brauche, den man nicht anfassen muss – denn auf dem Pump-Knopf von meiner „herkömmlichen“ Flüssigseife trachten EHEC, Schweinegrippe und Co. nach meinem Leben! Und wer weiß schon, welche Erreger es noch so auf mich abgesehen haben?!  Da bin ich dankbar, dass die selbsternannten Hygieneexperten mich im Fernsehen über dieses tägliche Risiko im Badezimmer aufklären. Zumal der sekündliche Hautkontakt mit dem Pump-Knopf direkt vor dem Händewaschen die tägliche Dosis an Keimen auf Ampelknöpfen, Haltestangen im Bus und den Griffen von Einkaufswagen vermutlich bei weitem übertrifft…

Liebe Werbeindustrie! Ich gebe es zu: Ihr seid mächtig und oft genug tappe auch ich in eure Psycho-Fallen. Ihr verkauft uns alkoholfreies Bier als isotonisches Getränk. Ihr schreibt auf Cola-Flaschen „Mach mit, werd fit!“und unterstützt die Olympischen Spiele. Das ist fast so raffiniert wie die Sammelpunkte-Aktion für DFB-Trikots auf Schokoriegeln für Kinder. Und da sind noch die ganzen anderen, tollen Sachen die ihr immer so fabriziert… z.B. auch sowas:

Aber ein Seifenspender den man nicht anfassen braucht?!?!? Das geht doch nun wirklich zu weit.

Und wer bitteschön kauft sowas?!?

Schämen solltet ihr euch!