Babyboom

1. November 2012

Zur Zeit gibt es in meinem sozialen Umfeld mehr Frauen mit Babies als ohne.

Und ich stehe wieder mal ratlos im Spielzeugladen vor dem Regal für Säuglinge und werde unfreiwillig darüber belehrt, dass Eisenbahn-Mobiles nix für Mädchen sind (Dabei ist es ohnehin schon schwer genug etwas für die Kleinsten zu finden..).
Und dann höre ich mir zum dritten Mal innerhalb von vier Wochen die Horror-Geschichte einer Geburt an. Mit PDA. Ohne PDA. 20 Stunden Wehen und dann doch der Kaiserschnitt. Ich weiß wie wichtig es für die Frauen ist darüber zu reden und ich höre ab und an einfach nur angeekelt und erschreckt interessiert zu.
Es ist spannend zu beobachten, was ein solches Ereignis mit Menschen macht, wie es sie verändert und welche neuen Seiten an ihnen hervor kommen, die ich vorher niemals erahnt hätte – und sie selbst wohl auch nicht. Die Axt im Walde wird dort sanft und zärtlich, der allzeit Souveräne erscheint nun hilflos und unbeholfen…

Und an einem Tag wie heute, durchzogen von Kinderlachen und schmatzenden Sauggeräuschen beim Stillen stelle ich mir die Frage was das eigentlich mit MIR macht? Und mal ganz generell: Was macht der Babyboom innerhalb der Peergroup mit denen, die Ende 20, Anfang 30 sind und sich dem „Trend“ entziehen?

Ich kann natürlich nur für mich sprechen aber ich glaube bei vielen meiner babylosen Altersgenoss(inn)en löst der vermehrte Anblick von Babybäuchen, Frauen mit Spucktüchern um den Hals  und Vätern, die ihren Nachwuchs in die Luft werfen ein nagendes Gefühl des Anachronismus aus, welches (mich jedenfalls) zwischendurch auch ausgesprochen nerven kann: Das Ticken der inneren Uhr spielt Poker mit der Vernunft und den damit verbundenen Gründen, aus denen heraus man sich (bislang) gegen das vermeintliche Babyglück entschieden hat. Seien es nun berufliche, gesundheitliche, beziehungstechnische oder auch einfach andere Argumente, die gegen ein Kind zum jetzigen Zeitpunkt sprechen.
Dieses Ringen mit der Vernunft fordert oftmals viel Kraft von denen, die diesen inneren Kampf ausfechten und gerade deshalb schmeckt das Babyglück der anderen manchmal etwas bitter, muss man sich doch ständig fragen lassen (und – viel wichtiger – daraufhin sich selber fragen) wann es denn bei einem selbst so weit ist.
Und nicht nur das stellt eine Gefahr für bestehende Freundschaften dar – es macht einfach keinen Spaß über Stillhütchen zu reden, wenn man selbst nicht mitreden kann. Und es scheint ja auch ein Dilemma zu sein, denn wie wollen Mütter über andere Dinge reden, wenn sie wegen der lieben Kleinen so gut wie nicht mehr vor die Tür kommen?!

Was letztlich alles irgendwie auf die Frage hinausläuft ob es wirklich die eigene Fortpflanzung oder nicht doch besser eine zweite Katze sein soll…

*Hmpf.

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„Nein“-sagen

25. Juni 2012

Und Bert denkt so: „Nicht schon wieder… Diesmal sage ich „Nein“. Nein. NEIN! Ich hab doch auch ein Leben!“. Aber statt dessen flutschen ihm die üblichen Antworten aus dem Mund: „Ja klar fahre ich euch zum Flughafen! Um 4.30 Uhr da sein?! Kein Problem! In dieser Nacht wollte ich eh nicht schlafen“ oder „Klar kann ich deinen Bericht schreiben, damit du noch rechtzeitig zum Spiel nach Hause kommst!“ oder  „Es ist wirklich okay – 6 Wochen auf euer Haus und eure Tiere aufpassen, mitten in der Einöde, während ihr Urlaub in U.S.A macht – Mach ich doch gerne!“

Wenn dann Nachts um 2.00 der Wecker klingelt, der Bericht länger wird als gedacht  und in der Einöde kein Internetanschluss vorhanden ist, schlägt das gute Gefühl jemandem zu helfen schnell um in Frustration. Und Bert denkt so:  „Waaaaahhhh!!! Wieso lass ich mir sowas eigentlich immer aufdrücken?!?“

Bert ist einfach zu gut für diese Welt. Das war er schon immer. Und das soll auch so bleiben. Trotzdem darf Bert auch mal Nein sagen.

Wie geht das?

1. Bert muss darüber nachdenken, warum er eigentlich nicht „Nein“ sagen will. Ist das „Ja“ ein wesentlicher Faktor, um weiterhin zur Party eingeladen zu werden? Will er eigentlich auf diese Party? Oder endet die eh immer nur im Blumenbeet des Nachbarn? Außerdem sollte er sich in Gedanken in die Rolle des „Fordernden“ versetzen: „Wenn ich an seiner Stelle wäre, wäre es schlimm, wenn ich ein Taxi zum Flughafen nehmen müsste? Wäre ich sehr enttäuscht, dass mein bester Freund, dem der Urlaub gestrichen wurde, keine Lust hat die Nacht für mich als Chauffeur zu arbeiten?“

2. Bert sollte das „Nein“- sagen üben. Und zwar bei fremden Menschen: „Nein, ich habe nicht noch einen Wunsch, Frau Bäckerei-Fachverkäuferin!“ „Nein, ich will keinen Extra-Käse auf meinem Mc – Cheese!“ „Nein, ich will nicht an ihrer Umfrage teilnehmen“ „Nein, ich hab keine Payback-Karte!“ „NEIN, ich will keine von ihren Gott-verdammten Payback-Karten!“

3. Bert sollte erstmal in angenehmer Atmosphäre und ohne Druck üben. Es wäre äußerst ungünstig, ausgerechnet am Hochzeitstag damit anzufangen. Gut sind solche Situationen, in denen es nicht darauf ankommt das „Nein“ durchzusetzen: „Nein, ich wollte heute nicht nochmal zum Supermarkt um deinen Heißhunger auf Chips zu stillen.“ „Nein, ich will nicht nochmal auf den Freefall-Tower!“ „Nein, ich möchte keinen Apfel! – oder doch?!“

4. Bert sollte sich auf Überredungsversuche der anderen Person einstellen, sich diese Situation vorstellen und mögliche Antworten einüben: „Ja, ich weiß dass mein Bericht letztes Mal sehr gut war, nein, ich möchte nicht noch einmal mein Talent beweisen.“ „Nein, ich möchte die nächsten 6 Wochen lieber in meiner eigenen Wohnung verbringen. -Ja, Landluft ist super, aber sie stellt für mich keinen Urlaub dar. Ihr verdient so viel Geld – engagiert doch einfach jemanden. Oder bezahlt mich einfach!“

5. Falls Bert schon im Voraus sagen kann, dass sich das „Nein“-sagen als extrem schwierig gestalten wird, kann Bert seinen besten Freund oder seine Mutti mit in die Situation nehmen – als moralische Unterstützung quasi. Will er es auf die Spitze treiben, gibt er dieser Person noch einen Kochlöffel in die Hand mit dem Auftrag, ihm jedes mal einen kleinen Klaps zu geben, wenn das Gespräch in die falsche Richtung läuft. Das ist in den meisten Situationen wirklich okay – Beim Gespräch mit dem Chef sollte Mutti aber lieber draußen bleiben…

6. Bert hat es geschafft?! Eigenlob stinkt- in diesem Fall aber nicht! Es ist ungemein wichtig und erbauend, wenn Bert sich selbst dafür lobt, „Nein“ gesagt zu haben. Nicht nur der ausbleibende Frust sollte der Lohn sein, kauf dir doch einfach mal ein Eis und lass es dir gut gehen! Dazu sagt man schließlich nicht „Nein“!

Eines Morgens…

21. Mai 2012

…war die Fahrt zur Arbeit anders als sonst…

 

Präsentiert wurde ihnen dieser Streich von den Mitbewohnern ihres Vertrauens.  🙂

Eigentlich ganz gut

17. Mai 2012

Mit einer Schale selbst gemachten Rhabarber-Vanillepudding in der Hand bieg ich um die Ecke und betrete die Straße, in der Frau C. in einem Altbau eine Wohnung angemietet hat.  Aus den dreckigen Erdgeschoß-Fenstern dringt der Geruch von Zigaretten und Bier und mir wird bewusst, dass Sucht und Armut manchmal nur einen Straßenzug entfernt ist.

Als sich die Wohnungstür öffnet, erwartet mich Frau C. freudestrahlend in ihrer kleinen Küche. Ich muss mich leicht bücken um sie zu umarmen.

„Schön, dass sie gekommen sind! Ich hab leider nicht viel Platz…“ Mühsam reckt sich die kleine Frau nach einem Kleiderbügel um meine Jacke daran aufzuhängen. Währenddessen schaue ich mich kurz um. Auf ca. 30 qm ist in Schränken aus Buche-Furnier alles verstaut was ein Mensch so braucht. An den Wänden hängen Teller mit landschaftlichen Motiven, in der Ecke ein Vogelkäfig, darin ein einsamer Wellensittich und sein Plastik-Kamerad. Die Kunststoff-Platz-Sets erinnern mich stark an die, die damals auch auf Ommas Tisch gelegen haben.

Auf die Frage wie es ihr geht antwortet sie ausgiebig mit ihrem kroatischen Akzent: „Nicht so gut. Ich hatte eine Vorstufe von Lungenentzündung. War die ganze Woche nur beim Arzt. Davor, ich war bei Kardiologe, der hat mir Elektroschock-Therapie aufgeschrieben und Termin mit Krankenhaus gemacht – obwohl ich ja den Thrombus an Herz habe und mir Ärzte schon letzten Monat im Krankenhaus sagten, dass sie das nicht machen könnten. Dann ich war in Krankenhaus und die wussten von nix! Eine Ärztin fragte mich Frau C., wollen Sie sterben? und ich sagte nein, natürlich nicht und die Ärztin sagte dann was machen sie hier?

Ich höre ihr zu und während sie erzählt frage ich mich, wann es ihr wohl mal endlich wieder gut geht.

Frau C. berichtete mir schon bei unserer ersten Begegnung von dem nicht ganz so glatten Verlauf ihres Lebens in den letzten zehn von insgesamt 65 Jahren. Sieben Jahre pflegte sie ihren Mann, der durch mehrere Schlaganfälle bettlägerig war und ging nebenbei noch in der Fabrik arbeiten. Drei Tage nach der Beerdigung in Kroatien wurde sie, wieder  zurück in Deutschland, operiert. Diagnose: Darmkrebs. In den letzten drei Jahren war sie zehn mal stationär im Krankenhaus. Jetzt kämpft sie mit den übrigen Krebszellen und mit der Einstellung auf Cumarine, die bei ihr einfach nicht gelingen will. „Eigentlich wollte ich in Juni nach Hause fahren und den Sommer bei meiner Familie sein, aber ohne ärztliche Versorgung ich kann nicht!“ Sie hustet und keucht ein wenig.

Frau C. hat also die Wahl zwischen guter, ärztlicher Versorgung und ihrer Familie in Kroatien. Nur ein Bruder und seine beiden Töchter wohnen noch hier. „Meine Nichten kommen mich besuchen, aber sie müssen selber arbeiten – haben eigenes Leben, wissen sie? Ich habe sonst keinen mehr. Wenn ich in Krankenhaus bin, mein Bruder kommt nur kurz, er kann sich nicht unterhalten halbe Stunde, er erträgt das nicht. Kein Wunder!“ Sie berichtet davon, wie ihre Schwägerin leidend im Krankenhaus gestorben ist: Leberkrebs.

Dann holt sie ihr Fotoalbum hervor. „Hier ist meine Tochter bei der Heirat.“ Auf meine Frage, wo denn die Tochter jetzt sei, antwortet sie: „In Kroatien, in Pflegeheim. Sie hatte zwei Schlaganfälle und Schwiegersohn hat es nicht mehr geschafft sie zu pflegen.“ Und während ich darüber nachdenke, ob es eigentlich noch beschissener laufen könnte zeigt sie mir die Bilder der Vereidigung ihres Sohnes, den sie nur als „Schwein“ tituliert und zu dem sie seit Jahren keinen Kontakt mehr pflegt. Auf gefühlten 100 weiteren Seiten sehe ich Fotos von Menschen, die entweder tot, krank oder deren Ehe nach fünf Monaten gescheitert ist – selbst der Hund musste eingeschläfert werden.

Wir unterhalten uns über den örtlichen Supermarkt und die miserable Gemüseauswahl.

Dann fragt sie mich, wie es mir so geht: „Eigentlich ganz gut.“ sage ich. Und meine es so.

Da war ja noch…

15. Mai 2012

…die Landtagswahl!

In meinem Stimmbezirk:

Wahlbeteiligung knapp über 40 % -wow!

SPD mit knapp 50 % ganz oben

Piraten bekamen mehr Stimmen als die Grünen und schlagen die CDU sogar bei der Zweitstimme.

Und die Linken bekamen immerhin noch ein paar Prozent mehr als die FDP.

Was sagt mir das jetzt über meine Nachbarn?

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Ansonsten genoss ich gestern Abend die Gesellschaft der solidarischen A. In einer Wirtschaft setzten sich zwei englisch-sprechende Männer („we are artists on a tour across europe“) zwischen 25 und 45 wegen Platzmangels zu uns an den Tisch. Nachdem wir der Bitte um eine Empfehlung des regionalen Bieres nachgekommen waren, pflegten wir eine Konversation „about an oriental art, which is hundreds of years old. And you have to guess which art it is!“

Ja nee! Ist klar.

A.: „You are strippers! The Chippendales!“

The older one: “ No. Try again!“

The younger one: „It has to do with trees.“

The older one: „Oh no, why did you say trees?! Now they know!“

Ich (reichlich verwirrt): “ With trees… Are you a sort of  Treeclimber?“

A. (sichtlich belustigt): „Trees…Keine Ahnung – Bonsai oder was?!

The older one:  „Yes, Bonsais!“

Ja nee! Ist klar.

Wie sich herausstellte, gibt es eine „Bonsai-Artist-Szene“, deren Mitglieder überall in der Welt kleine Bäume aus der Erde rupfen, sie zurecht schneiden, ausstellen und dann für mindestens 3000 € verkaufen. „The older one“ erzählte uns noch, er sei eine Koriphäe auf dem Gebiet, habe einen Blog mit 160.00 Lesern die Woche und seine Bäumchen im Auto. Mit ihnen reise er durch Europa, stellt sie auf „Events“ aus, verkauft sie und hält Vorträge über den richtigen Schnitt.

Was das Schneiden der Zweige von Miniaturbäumchen jetzt mit „oriental art“ zu tun hat weiß ich nicht. Ich verbinde Bonsais eher mit Asien. Jedenfalls dachte ich bei „oriental art“ und Bäumen/Stämmen eher an sowas:

Das ist „Art“. Wobei diese ja auch eher asiatisch ist…

 

EDIT: Die Ungenauigkeit bzgl. des Begriffs „Orient“ ist offensichtlich kultureller Natur. Da wir es mit einem Briten zu tun hatten, bezeichnet er auch Asien als „Orient“ wohingegen bei uns die Bezeichnung Orient mittlerweile nur noch für Länder im nahen Osten verwendet wird. Tante Wiki klärt auf.

2012

6. Januar 2012

Nachdem 2011 nicht wirklich „mein“ Jahr war, soll es 2012 nun richten.

Für Ende Januar steht eine Präsentation über Watzlawicks „Anleitung zum Unglücklichsein“ an – für mich ein probates Mittel um wiedermal festzustellen, dass man es sich selbst am schwersten macht. Vor allem die Sache mit den Russen und Amerikanern… Insgesamt sehr lesenswert.

Ansonsten habe ich meine absolute Abscheu vor Schwimmbädern überwunden und schwimme nun zwei mal wöchentlich mit der solidarischen A. Das macht Spaß (auch den anderen Schwimmern, die beobachten können, wie zwei erwachsene Frauen unter Wasser reden), birgt aber offenbar auch die Gefahr vor ungewollten Fernsehauftritten.

Um 2011 nicht ganz so schlecht davon kommen zu lassen: es gab doch noch Dinge, die erfreulich waren. Die Elefantenherde hier zum Beispiel (Von Frau Vorgarten liebevoll erdacht, gesägt, geschliffen und bemalt):

Oder die Narzissen im Dezember:

Oder der super nette Emailkontakt mit Anna

Oder auch dieser Blog.

 

3 in 1

20. September 2011

Da ich zur Zeit leider nur sehr selten zum bloggen komme – der Welt aber meine geistigen „Ergüsse“ nicht vorenthalten will – hier drei Notizen, aus denen jeweils ein Blogeintrag hätte werden können:

 

Legitim

Mein Unwort des Tages. In dem Moment in dem jemand behauptet, ein bestimmtes Verhalten sei legitim, erklärt er es dafür. Mein Problem mit dem L-Wort hat natürlich auch viel mit Moral und Wertekonflikten zu tun – aber zur Zeit manifestiert sich bei mir die Vermutung, dass die Welt voll von Psychopathen ist.

Älter werden

Wenn man selbst älter wird und den Eltern das gleiche Schicksal widerfährt, stellt man bei genauerem Hinsehen bzw. Zuhören fest, welche Erlebnisse bei ihnen auch bis ins Alter bleiben werden.

So unterstellt mir meine Mutter bis heute, dass ich meine Venen bewusst verschließen könne – nur weil sich während eines Besuchs beim Kinderarzt  meine schlechte Laune und „Wehrhaftigkeit“ mit der Unfähigkeit der Ärztin kreuzte und an diesem Tag beim besten Willen nichts zu holen war.

 

Kill the Boss

Seit Shrek habe ich nicht mehr in einem Kinosaal gesessen, in dem wirklich alle Zuschauer fast durchgängig gelacht haben. Zwischendurch musste ich sogar weinen. Also ab in den örtlichen Filmpalast!

 

(Apropos Shrek…)