Bevor das Jahr zuende geht…

31. Dezember 2013

Noch schnell ein kleiner Post.

Fall Sie jetzt einen Jahresrückblick oder eine Bewertung von 2013 erwarten muss ich Sie leider enttäuschen.

Ich will jetzt nicht sagen, dass es ein Jahr war wie jedes andere auch – davon kommen hoffentlich noch ganz viele, die immer anders sind. Aber es war eben nur ein weiteres Jahr Leben auf diesem Planeten der von Menschen bevölkert wird, die nichts besseres zu tun haben, als an der Supermarktkasse zu drängeln und die Umwelt zu verschmutzen. Dass ich meine Mitmenschen nur bedingt beeinflussen kann, habe ich mittlerweile gelernt und habe ein Stück weit von meinem Narzismus ablassen können. Es gelingt mir immer öfter, mich nicht mehr über SUVs aufzuregen und darüber, dass die Leute mit gutem Gewissen viel zu viel Fleisch verspeisen und damit die unwürdigen Haltungsbedingungen der „erzeugten“ Tiere unterstützen. So fühle ich mich immer öfter „comfortably numb“ diesen Problemen gegenüber und habe damit ausreichend Zeit, mich wieder den überzogenen Erwartungen an mich selbst zu widmen.

Wo ich nächstes Jahr hin will steht noch nicht fest. Das Ziel, einen Job aufzunehmen und ein „geregeltes“ Einkommen zu haben, habe ich gerade erreicht. Blut, Schweiß und Tränen stecken darin. Und es ist schön, dass es endlich geschafft ist.

Schauen wir mal.

 

Merke…

15. Dezember 2013

die Vorwahl von Düsseldorf ist 0211.

Mit nur einer Null am Anfang. Nicht zweien.

Konzentration ist auch bei den anderen Ziffern angesagt. Ansonsten landet man im Südsudan.

Oder Algerien.

Oder in Jerusalem.

Ich weiß es nicht.

Ich hab die Sprache nicht verstanden.

Gestern auf einem Bauwagenplatz gewesen und dort einem Punk-Konzert beigewohnt. Viele Menschen getroffen, die „ausgestiegen“ sind. Für die Augen eines (derzeit funktionierenden) Rädchens der Gesellschaft kuriose Erscheinungen, die man wohl sonst nur in einer „Menschen hautnah“-Doku sieht.

Zum Beispiel Mascha. Mascha hat breite Schultern, die in einem Oliv-grünen Tank-Top stecken und bedeckt sind, von wunderschönem, langen braunem Haar. Normalerweise bleibt sie lieber in ihrem Wohnwagen und unterhält sich mit ihrem besten Freund Kruno. Nur selten traut sie sich hervor, aber wenn, dann sind alle begeistert und umarmen sie liebevoll. Mit ihrer tiefen Stimme hat sie für alle ein paar warme Worte übrig – außer für Ämter und Behörden, mit denen Ella gerade Stress hat.
Ella hat eine 9 jährige Tochter und derzeit Streit mit dem Jugendamt, da von der Mutter einer Klassenkameradin der Tochter behauptet wurde, Ella’s Tochter lebe mit ihr auf dem Bauwagenplatz. Das wäre aber nicht so, da dass Kind beim Vater leben würde und wenn überhaupt nur in den Ferien da ist. Und dann gerne. Deshalb will sie das Jugendamt verklagen. Warum weiß sie nicht – ihr wird schon etwas einfallen – denn eine laufende Klage (sei es gegen das Jugendamt oder die Krankenkasse) sollte man immer am laufen halten, damit man „denen“zeigt, dass man noch lebt. Ihr Vater hätte das der Rentenversicherung sogar mal beweisen müssen, da er zufällig aus dem System gefallen war.
Peter hingegen ist freiwillig aus dem „System“ ausgestiegen. Derzeit lebt er von seiner Musik. Früher war er mal LKW-Fahrer, dann wurde er Salsa-Lehrer und jetzt bietet er gestressten End-Zwanzigern und Hausfrauen „Trommel-Kurse“ an, bei denen ums Lagerfeuer und die Kongas getanzt wird. Außerdem ist er ein sehr passabler Schlagzeuger. Peter ist nicht krankenversichert und bezahlt seine jährlichen Zahnarztbesuche aus eigener Tasche. Derzeit ginge ihm sein Zahnarzt wohl auch mächtig auf die Nerven – ob wegen ausstehender Zahlungen oder einer anstehenden Behandlung bleibt mir unklar. Peter sagt, er müsse sich wegen der fehlenden Versicherung gut ernähren und auf sich aufpassen. Dehalb kauft er nur Produkte aus dem Bioladen, inklusive eines Wassers, das bei Mondschein „geerntet“ wird. Zum Abschied schenkt er mir eine Flasche zum probieren.

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Das Leben auf dem Bauwagenplatz erscheint mir hart und ungemütlich – nicht nur weil wir bereits Oktober haben, es dort (normalerweise) kein elektrisches Licht bzw. Strom gibt und es, abseits der Feuertonne, recht „frisch“ ist. Zwar gibt es immerhin ein abschließbares Plumpsklo mit Toilettendeckel und Toilettenpapier, dennoch vermisse ich eine „Spülung“, die unangenehme Gerüche beseitigt und einen Wasserhahn, um mir die Hände zu waschen.
Alle romantischen Vorstellungen vom Leben auf einem Bauwagenplatz sind gestern für mich in der Dunkelheit verschwunden. Für mich wäre das Leben dort einfach zu hart, weswegen ich mich zum „drinbleiben“ entscheiden muss. (Oder aber zum Sommercamping) 😉

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Erkenntnis des Tages

13. Juli 2013

 

Wenn in ihrer Lieblingskneipe die Klos renoviert werden wird es Zeit, sich eine neue zu suchen.

Warum?!
Gestern mal wieder im Luisenviertel unterwegs gewesen. Was früher ein beliebter Ort für Studenten mit wenig Geld war, die etwas Spaß haben wollten, ist mittlerweile zu einem Ort für Studenten geworden, die Geld verdienen wollen. Sie bedienen ihre Zukunft: Ewig junggebliebene Juppies Ende 40 – Pädagogen, Psychologen, Kinderärzte, Architekten und Grafiker. Und das in den Kneipen und Bars, die früher zwar keine Blumen auf dem Tisch und keinen Wein und Bionade auf der Speisekarte stehen, dafür aber noch ordentliches Bier hatten.
Der Siegeszug der Latte-Macchiato-Mütter, die bei Bio-Sofie essen, bei Frau Wunder ihre Kinderwäsche und im Lakritzkontor ihren Süßkram erstehen, schreitet unaufhaltsam voran.
Die Gentrifizierung des Luisenviertels hat ihren Höhepunkt erreicht. Neulich gab es so Kuriositäten wie einen „Französischen Gourmetmarkt“, gestern ein „Open-Air“ des Sinfonie-Orchesters – wobei letzteres ja zugegebenermaßen eigentlich auch ziemlich cool ist…
Okay… es können halt nicht alle nach Berlin… Dennoch fühle ich mich fremd, wo ich einst beheimatet war.

Nennen Sie mich ruhig eine Kulturbanausin und altenfeindlich aber in Zukunft werde ich mich wohl doch in anderen Gefilden Wuppertals rumtreiben… Das Bedürfnis nach Distinktion wohnt auch in meinem beschränkten Geist…

Alltag

21. Mai 2013

Ich könnte mir natürlich auch über andere Dinge Gedanken machen, als über meine Mitmenschen – mein eigenes Leben beispielsweise – aber manche Leute hinterlassen Eindrücke auf mich, die ich erst einmal verarbeiten muss. Und was für mich viel wichtiger erscheint ist, ihr teils abstruses Verhalten einzuordnen. Ich meine, eine Person, die (aus Gründen, die ich nicht verstehe) Sprüche wie brennende Pfeile verschießt und die dabei zeitgleich ein ähnlich zwanghaftes Verhalten wie Sheldon Cooper zeigt, ist in höchstem Maße irritierend.
Und eine andere wiederum, die jede Antwort auf eine ihr gestellte Frage mit einem Seufzen einleitet um damit ihre Fachlichkeit (und in gewisser Weise auch Macht) zu demonstrieren…

Wissen Sie was!? Eigentlich ist das irritierende Verhalten beliebig. Worauf es für mich ankommt ist zu einer Position zu finden, in der mich ein solches Verhalten kalt lässt. Zu einer Identität, die professionell und selbstbewusst genug ist, um Giftspritzen und Machtgehabe zu ignorieren und einen eigenen Weg zu gehen…

 

 

Hört diese Selbstfindungsgeschichte eigentlich NIE auf?!

Das Urteil

10. Dezember 2012

Um den kürzlich hier platzierten Artikel nicht ganz unkommentiert stehen zu lassen, verrate ich an dieser Stelle wie es ausgegangen ist:

Der Fahrer bekam eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten, zwei Monate Fahrverbot und musste 800 € an die Witwe zahlen.
Das ist selbstverständlich nur die Strafe, die aus dem Strafrecht hervorging. Vermutlich werden die Hinterbliebenen noch zivilrechtliche Ansprüche geltend machen, ich denke aber, dass man davon dann nicht so viel hören wird.

Weswegen ich es gepostet habe:

Ich finde es erschreckend, dass prinzipiell jedem von uns, der hin und wieder hinter dem Steuer sitzt, ein solcher Unfall passieren kann. Jeder der ein Fahrzeug lenkt, kann einen anderen Menschen umbringen, ohne böse Absicht – ohne es zu wollen.

Der Verstoß, der begangen wurde war simpel: der Mann hat einfach nur die Vorfahrt mißachtet. Die Folgen waren katastrophal. Sowohl für den Motorradfahrer und seine Angehörigen als auch für den jungen Mustang-Fahrer, der sich seit dem Unfall in psychologischer Behandlung befindet.

Was mich noch dazu sehr bewegt hat war die Reaktion einiger Menschen, die unter dem Online-Zeitungsartikel ihre Meinung zum Urteil kund getan haben.
Wie einige schon unter meinem Blogeintrag kommentierten ist es nicht leicht, in einer solchen Sache Recht zu sprechen. Und dennoch gibt es immer wieder Leute die meinen es besser zu wissen als die, die sich auf diese Aufgabe vorbereiten und beruflich über einen solchen Sachverhalt entscheiden müssen.

Herzstück

13. September 2012

Das Herzstück arbeitet in einer von diesen modernen Apotheken im Stadtzentrum, eine von denen die aussehen als seien sie die neueste Version der Raumbasis aus 2001 – Odyssee im Weltraum –  falls sich noch wer daran erinnert. Überall weiße Hochglanzregale, grelles, weißes Licht, klinische Sauberkeit und so gar nichts mehr von der üblichen Apotheken-Atmosphäre mit Medizini-Poster und Junior-Heft. Normalerweise bevorzuge ich ja das old-school-Modell, wo man die 60er noch riechen kann. Schon allein wegen des Personals! Und seit heute sehe ich mich darin noch mehr bestätigt als sonst. Der haarlose, runzlige Apotheker bei mir umme Ecke, der so aussieht, als habe er sämtliche Medikamente in seinem Ladens persönlich getestet, ist letztlich doch kompetenter als das blonde, dem äußerlich dem Werbebild einer intelligenten Apothekenfachkraft entsprechende Herzstück von heute (welches deshalb Herzstück heißt, weil sie, statt eines Namensschildes, einen pinken “Herzstück” Button am Kittel trug). Dabei schlug es sich in der Anfangsphase gar nicht soo schlecht, als sie mir ein fröhliches “Kohmen Si zu mia” in osteuropäischem Akzent zuflötete. Der Rest scheiterte dann aber irgendwie an meinen mangelhaften Skills zur interkulturellen Verständigung und an ihrer nicht gerade charmanten Art mir unmissverständlich mitzuteilen, was sie von meinem Rezept hielt: “Na toll!”

Nicht gerade herzlich vom Herzstück. Dabei dachte ich, dass ich ihr eine Freude mache, wenn ich das teure Medikament in ihrer Apotheke kaufe.