Wie würden Sie entscheiden?

6. Dezember 2012

Mal angenommen Sie arbeiten als Jugendrichter am Wuppertaler Amtsgericht und müssten über die Strafe für folgenden Sachverhalt entscheiden:

Ein 20 jähriger Mann leiht sich den Wagen, einen PS-starken Ford Mustang, von seinem größeren Bruder und unternimmt eine Spritztour.
Zeugen werden später aussagen, dass er dabei eher defensiv fuhr, nicht drängelte oder raste, sondern in seinem Fahrverhalten Vorsicht zu erkennen war.
Beim Abbiegen auf eine Landstraße übersieht der Fahranfänger einen entgegenkommenden 53 jährigen Motorradfahrer. Dieser versucht eine Vollbremsung, rutscht dabei jedoch samt Motorrad unter das Auto und wird dort eingeklemmt.
Kurze Zeit später erliegt er seinen Verletzungen.
Der junge Fahrer ist bislang strafrechtlich und auch beim Straßenverkehrsamt nie in Erscheinung getreten. Er kann es sich selbst nicht erklären, wie er den Motorradfahrer übersehen konnte.

 

Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautet auf fahrlässige Tötung, welche nach § 222 StGB im allgemeinen mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren geahndet werden kann.

 

 

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4 Antworten to “Wie würden Sie entscheiden?”


  1. ich bin ausgesprochen froh, dass ich nicht in dieser Sache entscheiden muss.

  2. wortmagie Says:

    Das ist wirklich nicht einfach. Moralisch und juristisch sind das ja zwei Welten, finde ich. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht :/


  3. Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden! weiß der Volksmund. Hätte Gott gewollt, dass der Mensch aus den Erfahrungen anderer lernt, hätte er ihm die Fähigkeit dazu gegeben. Stattdessen muss und WILL der Mensch eigenen Erfahrungen sammeln: Trial and Error, Trial and Error, Trial and Error… Und gerade im Straßenverkehr gibt es verdammt viel zu erfahren. Fahren ohne Führerschein, fahren unter dem Einfluss von Genussmitteln… Jeder junge Mensch, der sein Herz am rechten Fleck hat, will am liebsten gleich nach bestandener Fahrprüfung in einem PS-starken Mustang Freiheit und Unabhängigkeit erfahren, das weiß man bereits auf der Entbindungsstation. Daher wünsche ich mir Jugendrichter, denen jene „schlichte Liebe“ zum Menschen eigen ist, die hierzulande von Thomas Mann nach 1945 offenbar vergeblich eingefordert wurde. Jugendrichter, welche es eigentlich entsetzlich finden, sich Urteile erlauben zu müssen über Menschen, die sie nicht kennen.

    • wupperwasser Says:

      Den ersten Satz betet mir meine Mutter immer wieder vor, allerdings in einem etwas anderen Kontext.

      Sich über andere Menschen Urteile zu erlauben, ist wohl nicht nur das Kreuz von Jugendrichtern, sondern auch von vielen anderen Professionen.
      Und in Maßen scheint das Bilden von Urteilen eine überlebenswichtige Eigenschaft des Menschen zu sein, die irgendwie dafür sorgt, dass die Welt nicht im Chaos versinkt. Auch wenn es mir persönlich oftmals gegen den Strich geht…

      Schön, Sie hier zu haben! =)


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