„Auf der Suche nach einer besseren Welt“

28. Juni 2012

Manchmal echt beeindruckend, der gute Karl:

„Aus meiner sozialistischen Jugendzeit habe ich viele Ideen und Ideale ins Alter gerettet. Insbesondere: Jeder Intellektuelle hat eine ganz besondere Verantwortung. Er hatte das Privileg und die Gelegenheit, zu studieren; dafür schuldet er es seinen Mitmenschen (oder „der Gesellschaft“), die Ergebnisse seiner Studien in der einfachsten und klarsten und verständlichsten Form darzustellen. Das Schlimmste – die Sünde gegen den heiligen Geist – ist, wenn die Intellektuellen versuchen, sich ihren Mitmenschen gegenüber als große Propheten aufzuspielen und sie mit orakelnden Philosophien zu beeindrucken. Wer’s nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er’s klar sagen kann. […] Was ich oben (Punkt 1) die Sünde gegen den heiligen Geist genannt habe – die Anmaßung des dreiviertel Gebildeten –, das ist das Phrasendreschen, das Vorgeben einer Weisheit, die wir nicht besitzen. Das Kochrezept ist: Tautologien und Trivialitäten gewürzt mit paradoxem Unsinn. Ein anderes Kochrezept ist: Schreibe schwer verständlichen Schwulst und füge von Zeit zu Zeit Trivialitäten hinzu. Das schmeckt dem Leser, der geschmeichelt ist, in einem so ‚tiefen‘ Buch Gedanken zu finden, die er selbst schon mal gedacht hat.“

Dort zitiert aus Popper: „Auf der Suche nach einer besseren Welt“, München 1984, S. 99, 103

 

Demnächst noch mehr zum wissenschaftlichen Ethos.

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2 Antworten to “„Auf der Suche nach einer besseren Welt“”

  1. cidrin Says:

    Wunderbar!
    Man merkt, wie sehr ihn das unsägliche Blabla der 3/4- Gebildeten nervt.
    Wirklich interessante Leute haben das oft, dass sie nicht nur Recht haben, sondern auch noch „mit roten Backen“ bei der Sache sind.
    Weiß man denn, wie alt er war, als er das geschrieben hat?

  2. wupperwasser Says:

    Ich habe leider das Buch nicht vorliegen und kann es daher nicht genau sagen. (Ich musste mich statt dessen mit „Logik der Forschung“ und „Objektive Erkenntnis“ quälen – dort hält er sich übrigens nicht immer an seine eigenen, sozialistischen Ideale…)

    Veröffentlicht wurde das Buch 1984, da war er schon 82… und es enthält Aufsätze aus 30 Jahren. So. Jetzt noch ein bisschen Mathe und es ergibt sich ein Alter von 52 – 82 Jahren. 😉

    Dieses Zitat gewinnt übrigens noch mehr an Bedeutung, wenn man gerade Luhmann liest… *seufz*


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