„Nein“-sagen

25. Juni 2012

Und Bert denkt so: „Nicht schon wieder… Diesmal sage ich „Nein“. Nein. NEIN! Ich hab doch auch ein Leben!“. Aber statt dessen flutschen ihm die üblichen Antworten aus dem Mund: „Ja klar fahre ich euch zum Flughafen! Um 4.30 Uhr da sein?! Kein Problem! In dieser Nacht wollte ich eh nicht schlafen“ oder „Klar kann ich deinen Bericht schreiben, damit du noch rechtzeitig zum Spiel nach Hause kommst!“ oder  „Es ist wirklich okay – 6 Wochen auf euer Haus und eure Tiere aufpassen, mitten in der Einöde, während ihr Urlaub in U.S.A macht – Mach ich doch gerne!“

Wenn dann Nachts um 2.00 der Wecker klingelt, der Bericht länger wird als gedacht  und in der Einöde kein Internetanschluss vorhanden ist, schlägt das gute Gefühl jemandem zu helfen schnell um in Frustration. Und Bert denkt so:  „Waaaaahhhh!!! Wieso lass ich mir sowas eigentlich immer aufdrücken?!?“

Bert ist einfach zu gut für diese Welt. Das war er schon immer. Und das soll auch so bleiben. Trotzdem darf Bert auch mal Nein sagen.

Wie geht das?

1. Bert muss darüber nachdenken, warum er eigentlich nicht „Nein“ sagen will. Ist das „Ja“ ein wesentlicher Faktor, um weiterhin zur Party eingeladen zu werden? Will er eigentlich auf diese Party? Oder endet die eh immer nur im Blumenbeet des Nachbarn? Außerdem sollte er sich in Gedanken in die Rolle des „Fordernden“ versetzen: „Wenn ich an seiner Stelle wäre, wäre es schlimm, wenn ich ein Taxi zum Flughafen nehmen müsste? Wäre ich sehr enttäuscht, dass mein bester Freund, dem der Urlaub gestrichen wurde, keine Lust hat die Nacht für mich als Chauffeur zu arbeiten?“

2. Bert sollte das „Nein“- sagen üben. Und zwar bei fremden Menschen: „Nein, ich habe nicht noch einen Wunsch, Frau Bäckerei-Fachverkäuferin!“ „Nein, ich will keinen Extra-Käse auf meinem Mc – Cheese!“ „Nein, ich will nicht an ihrer Umfrage teilnehmen“ „Nein, ich hab keine Payback-Karte!“ „NEIN, ich will keine von ihren Gott-verdammten Payback-Karten!“

3. Bert sollte erstmal in angenehmer Atmosphäre und ohne Druck üben. Es wäre äußerst ungünstig, ausgerechnet am Hochzeitstag damit anzufangen. Gut sind solche Situationen, in denen es nicht darauf ankommt das „Nein“ durchzusetzen: „Nein, ich wollte heute nicht nochmal zum Supermarkt um deinen Heißhunger auf Chips zu stillen.“ „Nein, ich will nicht nochmal auf den Freefall-Tower!“ „Nein, ich möchte keinen Apfel! – oder doch?!“

4. Bert sollte sich auf Überredungsversuche der anderen Person einstellen, sich diese Situation vorstellen und mögliche Antworten einüben: „Ja, ich weiß dass mein Bericht letztes Mal sehr gut war, nein, ich möchte nicht noch einmal mein Talent beweisen.“ „Nein, ich möchte die nächsten 6 Wochen lieber in meiner eigenen Wohnung verbringen. -Ja, Landluft ist super, aber sie stellt für mich keinen Urlaub dar. Ihr verdient so viel Geld – engagiert doch einfach jemanden. Oder bezahlt mich einfach!“

5. Falls Bert schon im Voraus sagen kann, dass sich das „Nein“-sagen als extrem schwierig gestalten wird, kann Bert seinen besten Freund oder seine Mutti mit in die Situation nehmen – als moralische Unterstützung quasi. Will er es auf die Spitze treiben, gibt er dieser Person noch einen Kochlöffel in die Hand mit dem Auftrag, ihm jedes mal einen kleinen Klaps zu geben, wenn das Gespräch in die falsche Richtung läuft. Das ist in den meisten Situationen wirklich okay – Beim Gespräch mit dem Chef sollte Mutti aber lieber draußen bleiben…

6. Bert hat es geschafft?! Eigenlob stinkt- in diesem Fall aber nicht! Es ist ungemein wichtig und erbauend, wenn Bert sich selbst dafür lobt, „Nein“ gesagt zu haben. Nicht nur der ausbleibende Frust sollte der Lohn sein, kauf dir doch einfach mal ein Eis und lass es dir gut gehen! Dazu sagt man schließlich nicht „Nein“!

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Eine Antwort to “„Nein“-sagen”


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