Der kleine Kasimir

21. Juni 2012

„WÄÄÄÄÄH“  – *jammer*

Der kleine Kasimir hat es im Supermarkt heute wirklich nicht leicht. Mama und Papa auch nicht. Aber das interessiert die kleine, ca. 5-Jährige Heulboje nicht. Jetzt steht nur der „Joghurt“ auf dem Spiel. Denn Mama will eigentlich keinen „Joghurt“ kaufen und sagt deshalb: „Nein Kasimir, du hast schon die Kekse bekommen, da musst du jetzt nicht auch noch „Joghurt“ haben“.

Papa spielt während des drohenden Wutausbruchs seines Filius den Unbeteiligten und schaut so gebannt ins Kühlregal, als gäbe es dort die Liveübertragung eines Deutschlandspiels. Nicht ohne Grund, wie sich herausstellt:

„WÄÄÄÄÄHÄHÄÄÄÄ“ – *jammer* *heul*

Mama reagiert sofort: „Okay Kasimir, du darfst dir EINEN „Joghurt“ aussuchen. EINEN!“

Es folgt ein kurzes, nöhliges Gemurmel welches, gleich einem sanften, musikalischen Crescendo, langsam aber stetig in seiner Lautstärke ansteigt. Ich verstehe nur Wortfetzen: „DEN will ich… NEIN… AUCH!… EINEN!…Monte… EINEN!!!“

Ein Ohrenbetäubender Lärm bricht los.

Für Kasimir gehts jetzt längst nicht mehr nur um DEN „Joghurt“, sondern um die Fruchtgnome, den Schokowirbel UND den gefleckten Kuh-Pudding zusammen! Deshalb leistet er jetzt vollen Körpereinsatz, wirft sich auf den Boden und trommelt mit den Fäusten auf den selbigen ein. Er schreit. Heult. Hustet. Schreit. Mama geht wieder darauf ein, diesmal mit einer gewissen Hysterie in der Stimme: „Okay Kasimir, aber wenn wir das jetzt alles kaufen, dann gehen wir gleich nicht mehr auf den Spielplatz! Willst du das?“

Kasimir kreischt.

Papa und mich zieht es derweil ein paar Regale weiter.

In der anderen Ecke des Ladens sind die Aushandlungsversuche von Mama immernoch deutlich zu verstehen: „Nein Kasimir! Du kannst nicht immer bestimmen was wir kaufen… Sven, jetzt sag doch auch mal was! …  Sven?!“

Auf meinem Weg nach Hause sehe ich Kasimir mit seinen Eltern auf dem Supermarkt-Parkplatz. Und während ich mit meinen Taschen an ihnen vorbei gehe und zuschaue, wie das Kind genüsslich an einem Eis schlabbert meine ich zu sehen, wie Kasimir mir zuzwinkert.

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3 Antworten to “Der kleine Kasimir”


  1. Alltagswahnsinn.
    Ja.
    Ein Fall von „Selber schuld“, was die Mutter betrifft, würd ich sagen.
    Mit Kleinkindern diskutiert man nicht.
    Handeln ist vielleicht erlaubt, aber die eigene Position sollte schon fest stehen………………
    aber nu ja, der kleine Kasimir (sicher ein echtes Sonnenscheinchen, wenn er seinen Willen kriegt, ein gaanz lieber kleiner Kerl) ist ja zum Glück nicht mein Blag und ich muss auch nicht mit ihm einkaufen gehen. Und mit seiner Mama auch nicht.

    • wupperwasser Says:

      Schätze auch, dass dem kleinen Gernegroß vielleicht ein paar kleine Ansagen und Konsequenz mal gut tun würde. Aber wer weiß, was da bei denen zuhause so los ist…
      Ich fands auf jeden Fall echt krass, sowas mal in „real“ zu erleben. Bislang habe ich von sowas immer nur gehört…


      • Stimmt, und vielfach sind die Eltern ja auch überfordert und wollen zugleich ihrem Kind das beste und eben nicht alles verbieten, weil das hatten sie schon in der eigenen Kindheit und dann kommt vielleicht noch ein superschlauer Erziehungsratgeber und dann ist die elterliche Verwirrung komplett.
        In solchen Fällen bin ich dann immer heilfroh, dass dieser Kelch an mir vorübergegangen ist.
        Ich find Kinder toll, aber ich finds auch toll, dass ich keine hab.


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