Die Fabrik

14. März 2012

Die Fabrik wird gerade renoviert. Gestern sah ich vom Zug aus, dass das schäbige, orangefarbene Dach abgerissen und dort statt dessen ein Aufbau in rot hingezimmert wurde. Ich schätze die dicken, schweren orangefarbenen Türen und die Hausmeisterloge sehen auch nicht mehr so aus wie früher und der grüne Noppen-PVC ist mit Sicherheit auch raus gerissen worden. Manchmal würde ich gerne nachsehen was sich verändert hat aber das Gelände, auf dem die Fabrik steht, ist mittlerweile von einem ziemlich hohen, grünen Zaun umgeben.

Als ich die Fabrik noch regelmäßig besuchte, kümmerte es die ersten drei Jahre niemanden, dass das Dämmmaterial in der Decke giftig ist. Oder es war nicht bekannt. Oder es fehlte an Geldern für die Renovierung. Aber dann wurde irgendwann doch renoviert. Die Zahl der ehemaligen Fabrikarbeiter, die an Krebs erkrankt sind, ist erschreckend hoch wie ich mittlerweile weiß. Und im Gegenzug hat sich so mancher Besucher in der Anonymität unter 1500 anderen Besuchern das Leben genommen. Oder ging in die Psychiatrie. Dennoch gab es nie einen wirklichen Eklat oder einen aufsehen erregenden Skandal. Die Fabrik hatte schon damals ein gutes Ansehen. Und inzwischen gibt es neue Mitarbeiter, ein neues Konzept und dadurch viele Auszeichnungen. In der Stadt erfreut sie sich daher großer Beliebtheit.

Manchmal denke ich darüber nach, was gewesen wäre, wäre ich auf eine richtige Schule gegangen und nicht in die Fabrik. Und daran, was hätte sein können, hätte mich die blöde Kuh in Latein nicht durchfallen lassen.

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